Die Methode
Rechnen statt raten. Und ehrlich scheitern, wenn es nicht reicht.
Wie aus einer normalen Fahrt ohne Powermeter eine radspezifische VO2max wird, woran das Verfahren scheitert und was bisher tatsächlich gemessen wurde. Ohne Marketing-Rundung: was unsicher ist, steht hier als unsicher.
- Physik & Regression
- keine KI
- keine Referenzpopulation
- ein Fahrer · drei Fahrten
01 / Der Einwand
Er kommt zuerst, weil er stimmt.
Wer ohne Leistungsmesser eine Radleistung angibt, rät. Das ist der häufigste Einwand gegen so ein Verfahren, und er ist berechtigt: Die verbreitete Variante schätzt die Leistung aus Tempo und Herzfrequenz über die ganze Fahrt hinweg. Im Flachen entscheidet aber der Luftwiderstand. Bei 30 km/h steckt der Großteil deiner Watt in der Luft vor dir, nicht im Vortrieb.
Ob du dabei gegen Wind gefahren bist, im Windschatten hingst oder tief im Lenker lagst, steht in keiner Aufzeichnung. Zwei Fahrten mit identischem Tempo und identischem Puls können hundert Watt auseinanderliegen, und keine Datei der Welt verrät dir, welche der beiden es war. Wer das trotzdem in eine Zahl gießt, erfindet die fehlende Information.
02 / Am Berg
Bergauf kippt das Verhältnis.
An einem ordentlichen Anstieg fällt dein Tempo, der Luftwiderstand fällt mit dem Quadrat des Tempos in sich zusammen, und übrig bleibt die Arbeit gegen die Schwerkraft. Die lässt sich ausrechnen: Masse mal Höhenunterschied, geteilt durch die Zeit. Das sind keine Annahmen, das ist Schulphysik.
Der Wind verschwindet nicht komplett, er wird nur klein genug, um das Ergebnis nicht mehr zu bestimmen. Aus der größten Fehlerquelle wird eine Randgröße. Und alle drei Größen, die die Rechnung braucht, stehen bereits in deiner Datei:
Höhenunterschied
Steht als Höhenspur in deiner GPX- oder FIT-Datei.
Zeit
Steht als Zeitstempel an jedem einzelnen Punkt derselben Datei.
Masse
Fahrer plus Rad, gibst du einmal an. Die einzige Eingabe von außen.
03 / Puls
Warum Leistung und Puls zusammen etwas ergeben.
Leistung und Herzfrequenz messen zwei verschiedene Dinge, und genau darauf beruht das Verfahren. Die Leistung ist, was du produzierst. Die Herzfrequenz ist, was es dich kostet, sie zu produzieren. Das eine ist der Output, das andere der innere Preis dafür.
Rekonstruiert wird der Output aus der Physik des Anstiegs, und dann gegen den inneren Preis gestellt, den deine Herzfrequenz anzeigt. Wie viel Leistung du bei welchem Puls bringst, ist ein Fitness-Signal: Wer fitter wird, tritt bei gleichem Puls mehr Watt. Diese Beziehung, auf deine maximale Herzfrequenz hochgerechnet, ergibt die Schätzung. Je mehr verwertbare Anstiege eine Fahrt liefert und je enger der Zusammenhang, desto belastbarer die Zahl.
04 / Die Grenze
Wann hier kein Wert herauskommt.
Eine Ablehnung ist kein Fehler des Werkzeugs, sondern das richtige Ergebnis für eine Fahrt, die die nötige Information nicht enthält. Jede Ablehnung nennt ihren Grund, und es gibt genau vier davon.
Zu wenige Anstiege
Eine überwiegend flache Fahrt enthält keine Steigungsarbeit, aus der sich eine Leistung rekonstruieren ließe. Das ist der Regelfall einer Ablehnung und kein Fehler: es fehlt die Information, nicht die Form.
Anstiege knapp unter der Schwelle
Mehrere Anstiege scheitern nur knapp an der Herzfrequenz, die ein belastbarer Effort braucht. Das deutet meist auf einen zu hoch hinterlegten HRmax hin, nicht auf eine zu leichte Fahrt.
Puls und Leistung laufen auseinander
Herzfrequenz und rekonstruierte Leistung hängen auf dieser Fahrt nicht eng genug zusammen. Typisch bei wechselndem Tempo, Gruppenfahrten mit Windschatten, Pausen mitten im Anstieg oder verrauschten Höhendaten.
Indoor aufgezeichnet
Ohne Höhenprofil gibt es keine Steigungsarbeit. Distanz und Herzfrequenz werden trotzdem übernommen, ein VO2max-Wert nicht.
05 / Die Belege
Was bisher tatsächlich gemessen wurde.
Das ist der ehrlichste Abschnitt dieser Seite, und der kürzeste. Gegengerechnet wurden bisher drei echte Fahrten eines einzigen Fahrers, aus Garmin- und Apple-Health-Aufzeichnungen.
- Zwei geeignete Fahrten, derselbe Fahrer
- 36,3 / 35,1ml/kg/min
- Rund einen Punkt auseinander, ohne echte Formänderung dazwischen. Das ist die Wiederholbarkeit, auf die es ankommt, nicht der Absolutwert.
- Eine ungeeignete Fahrt
- abgelehntkein Wert
- Puls und rekonstruierte Leistung liefen gegenläufig. Das Verfahren hat keinen Wert ausgegeben, statt einen zu erfinden.
- Modellierte Anstiegsleistung gegen echte Wattaufzeichnung
- 190 / 181Watt · modelliert / gemessen
- Die rekonstruierte Leistung lag nahe an der in derselben FIT-Datei aufgezeichneten Schwellenleistung desselben Fahrers.
Stand der Validierung
Ein Fahrer, drei Fahrten. Das ist ein Anfang und keine Validierung, und es wird hier auch nicht als eine ausgegeben.
Genau deshalb suche ich Fahrer mit Powermeter, die ihre echten Watt gegen die Schätzung halten lassen.
Zur Testgruppe06 / Unsicherheit
Was den Wert verschiebt.
Zwei Annahmen bewegen den Absolutwert spürbar: deine maximale Herzfrequenz und ein angenommener Wirkungsgrad beim Treten, der von Mensch zu Mensch abweicht. Beide verschieben das Ergebnis in eine Richtung, nicht zufällig. Dazu kommt die Trägheit der Herzfrequenz: Sie braucht nach einem Belastungswechsel mehrere Minuten, bis sie die tatsächliche Anstrengung abbildet, weshalb der erste Anstieg einer Fahrt systematisch zu leicht aussieht. Das Modell korrigiert das, aber es ist eine Korrektur und keine Messung.
Genau darum ist der Verlauf über mehrere Fahrten belastbarer als jede Einzelzahl. Eine gerichtete Verschiebung trifft alle deine Fahrten gleich und kürzt sich aus dem Trend weitgehend heraus. Deshalb wird hier ein Trend ausgewiesen und kein Laborwert behauptet.
07 / Abgrenzung
Was das nicht ist.
Kein Ersatz für eine Spiroergometrie. Kein Wert, der mit dem deiner Uhr übereinstimmen muss, denn deine Uhr rechnet fürs Laufen und dieses Verfahren fürs Radfahren. Und keine KI, die aus deinen Daten eine plausible Zahl generiert: Es ist eine physikalische Rechnung plus eine Regression, beides nachvollziehbar und beides in der Lage, ehrlich zu scheitern.
Miss deine Form. Am Berg, nicht am Powermeter.
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Kostenloser Einzelcheck zum Start. Danach 30 Euro im Jahr. Ein Leistungsmesser kostet dreistellig, einmal pro Rad.
geplant: 2,50 €/Monat · keine Werbung · EU-Hosting